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Dez28

Dinner for (every-)one: Ein leichtes, vom Klassiker inspiriertes Silvester-Menu

Text Florence Siegenthaler

«Same procedure as every year, Miss Sophie?». Ein Klassiker ist er schon lange, der amüsante Sketch aus dem Jahre 1963, Dinner for One. Seit 1972 wird er jedes Jahr zu Silvester ausgestrahlt. Dieses Mal soll er jedoch nicht nur unsere Lachmuskeln, sondern auch unsere Geschmacksnerven anregen. Denn obschon ich Miss Sophie doch etwas bedaure, bin ich auch ziemlich neidisch auf das, was die Lady da alles aufgetischt bekommt. Ich habe mir das Ganze nämlich noch etwas genauer als sonst angeschaut und versucht, mich nicht vom stolpernden, angeschwipsten Butler James ablenken zu lassen, um aus dem «Dinner for One» ein lecker-leichtes «Dinner for Everyone» zu kreieren. Denn etwas muss man der alternden Miss Sophie lassen: So stur sie auch ihre verstorbenen Freunde herbeihalluzinieren mag, bei der Menu-Zusammenstellung muss sie äusserst klar im Kopf gewesen sein. Die Abfolge der einzelnen Gänge eignet sich ganz besonders für all diejenigen, die nach der alljährlichen (same procedure as every year?) Weihnachts-Schlemmerei Lust auf etwas gesündere Gerichte mit einem exotischen Touch haben.

Das schwarz-weisse Spektakel beginnt mit einer «Mulligatawny-Soup». Ich musste mehrmals zurückspulen und schliesslich zugegebenermassen auch kurz mal wieder googeln, um Klarheit zu haben, was James genau zur Vorspeise serviert. Ein genaues Rezept gibt es für diese indische Suppe auch nicht. Pikant und mit Gewürzen versehen soll sie jedoch sein, heisst es. Da lass ich meiner Fantasie doch gleich mal freien Lauf:

Pikante Kokos-Suppe mit Kafir-Limettenblättern, Ingwer und lila Blumenkohl

Zutaten (4 Pers.):

400 ml Kokosmilch
300 ml Bouillon
1 Teelöffel Kurkuma
1 Teelöffel Kumin-Samen
½ Teelöffel Chilipulver
5 Kafir-Limettenblätter
1 Knoblauchzehe, in dünnen Scheiben
2 cm Ingwer in dünnen Scheiben
½ lila Blumenkohl

Zubereitung:

  • Alle Zutaten bis auf den Blumenkohl in ein Pfännchen geben, aufkochen und 15 Minuten köcheln lassen.
  • Den Blumenkohl in kleine Röschen teilen, mit kochend heissem Wasser übergiessen und 5 Minuten ziehen lassen.
  • Die Suppe mit dem Blumenkohl garnieren und servieren. Wer mag, reicht Naan-Brot dazu.

Nach dieser exotischen Aufwärmübung wird, ganz britisch stilvoll, ein Fischgang serviert. Was dazu gereicht wird, ist nicht komplett überliefert. Vielleicht wurde die Beilage zum Fisch auch schlichtweg genauso herbeihalluziniert wie die vier Freunde Miss Sophies. Ich schlage folgendes vor:

Kabeljaufilet im Backpapier mit jungen Möhren und Mango an Avocado-Limetten-Creme

Zutaten (4 Pers.):

4 Kabeljaufilets à 150 g
8 junge Möhren, halbiert
1 Mango, in Würfeln
2 Limetten, Schale und Saft
8 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer
1 Avocado
2 Teelöffel Crème fraiche
1 Knoblauchzehe
4 Backpapierbögen

Zubereitung:

  • Den Ofen auf 150° vorheizen.
  • Den Kabeljau jeweils mit den 2 halbierten Möhren, 1 handvoll Mangowürfeln, etwas Limettenschale, Limettensaft, Salz, Pfeffer und Olivenöl auf ein Backpapier geben und gut einwickeln.
  • Im Ofen 15 – 20 Minuten backen, währenddessen mit einer Gabel die Avocado zerdrücken und mit Crème fraiche, Salz, etwas Limettensaft, Pfeffer und Knoblauch vermengen.
  • Den Fisch im Backpapier servieren, die Avocadocrème dazu reichen.

«It is an excellent Bird indeed»: Der Hauptgang ist offensichtlich geflügelter Art. Damit das Hähnchen nicht ganz einsam auf dem Teller liegt, serviere ich es auf roten Linsen. Die sind schnell gar und lassen mehr Zeit für nettes Geplauder mit imaginären oder realen Tischgesellen:

Würzig-knusprige Hähnchenkeulen an Orangen-Kurkuma-Öl mit Rotwein-Linsen und Koriander

Zutaten (4 Pers.):

4 Hähnchenkeulen
1 dl Olivenöl
1 TL Kurkuma
1 TL Korianderpulver
1 Orange, Schale
1 Knoblauchzehe, gepresst
½ TL Pfeffer
Salz
250 g rote Linsen
2,5 dl Rotwein
2 dl Bouillon
1 Zwiebel, gehackt
50 g Butter
1 Knoblauchzehe, in Scheiben
1 Handvoll Koriander
4 EL Crème fraiche

Zubereitung:

  • Die Hähnchenkeulen mit allen Zutaten bis und mit Salz in einer Schüssel im Kühlschrank 4 Stunden marinieren.
  • Ofen auf 200° vorheizen, Hähnchen goldbraun backen, ca. 30 – 40 Minuten, währenddessen immer wieder mit dem Öl übergiessen.
  • Die Linsen mit dem Rotwein, der Bouillon, Knoblauchzehe und den Zwiebeln in eine Pfanne geben und 10 min. köcheln lassen.
  • Die Hähnchenkeulen auf dem Linsenbett anrichten, mit Crème fraîche, einem Orangenschnitz und frischem Koriander servieren.

Last but not least darf die Nachspeise natürlich nicht fehlen. Nach drei Gängen soll sie allerdings auch nicht zu schwer ausfallen, da gehe ich mit Miss Sophie sehr einig. James setzt ihr Früchte vor, ich beschränke mich auf eine Südfrucht, raffiniert zubereitet:

Karamellisierte Ananas mit Blutorange, Zimt und gerösteten Mandeln

Zutaten (4 Pers.):

1 Ananas in 1 cm dicken Scheiben
1 dl Blutorangensaft
100 g Demerara-Zucker
Zimt
3 Handvoll Mandeln, ungeschält

Zubereitung:

  • Den Ofen auf 200° vorheizen.
  • Zucker mit dem Orangensaft vermengen, Ananasscheiben auf einem Backblech mit Backpapier verteilen, mit der Blutorangen-Zucker-Mischung bestreichen und 15 Minuten backen.
  • Die Mandeln auf einem weiteren Blech 5 Minuten rösten.
  • Die Ananasscheiben auf einem Teller anrichten, mit Zimt bestäuben und Mandeln dazugeben.
  • Wer mag serviert Schlagsahne, Joghurt- oder Vanilleeis dazu.

Die alkoholischen Getränke, die eine zentrale Rolle spielen, chronologisch, Sherry, Weisswein, Champagner und Portwein, wurden hier bis auf eine kleine Ausnahme bei den Linsen bewusst ausgelassen. Wir wollen doch nicht enden wie der arme James. Oder etwa doch? Das sei jedem selbst überlassen. Guten Appetit!

Bilder: Florence Siegenthaler

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