Blog

Nov23

DJ ZsuZsu im Interview: «Ich verneige mich vor den 1950er Jahren.»

Sie legt an den grössten Open Airs der Schweiz sowie am Zürich Film Festival und beim Schweizer Filmpreis auf. Daneben gestaltete sie das Rahmenprogramm für den Electro Swing-Pionier Parov Stelar vor 10‘000 Besuchern. In den letzten 24 Monaten absolvierte DJ ZsuZsu über 200 Auftritte. Vintage Times traf die vielbeschäftigte und geschmackvoll gekleidete DJane zum Gespräch am Bellevue in Zürich.

Text & Interview Urs Breig

Deine mitreissenden YouTube-Trailers versprühen eine überschäumende Energie und viel Lebensfreude!
DJ ZsuZsu: Vielen Dank! Diese positive Stimmung muss man einfach erlebt haben. An meinen Partys sind die Leute total aufgestellt und haben grossen Spass.

Welche Musik spielst du?
Ich lasse mich vom Klang der 1950er Jahre inspirieren und kombiniere Originalstücke, diverse Remixe dieser Originale, aktuelle Songs von Selah Sue über Caro Emerald bis Amy Winehouse mit Electro Swing, House und frischen Clubtracks.

Worin unterscheidet sich deine Musik vom bekannten Electro Swing?
Electro Swing ist ein eigenes Genre und setzt auf die swingenden Beats der 1920er Jahre. Der Österreicher Parov Stelar ist das Aushängeschild dieses Musikstils. In meinen Sets geht es um die 1950er Jahre. Selbstverständlich spiele ich auch Electro Swing. Ich versuche aber, den Schwerpunkt auf eine andere Dekade zu setzen und wähle die Musik, die ich auflege, entsprechend aus. Das heisst, ich spiele nicht nur sehr viele House, Electro und Deep House Remixe von Musikern aus der damaligen Zeit, sondern auch von zeitgenössischen Künstlern, die nach den 1950er Jahren klingen.

Gibt es technische Hürden, wenn man die alten Aufnahmen ins Jahr 2016 transferieren will?
In den 1950er Jahren stellte man oft nur ein einziges Mikrophon ins Studio. Dabei entstanden grelle Live-Aufnahmen, die zum Teil auf nur einer Tonbandspur festgehalten wurden. Bei Remixen besteht die Schwierigkeit darin, diese Schrillheit herauszufiltern, den Charakter des Songs aber dennoch beizubehalten. Während die Oldies meist ein Tempo von 80 bpm (Schläge pro Minute) oder über 140 bpm haben, hat ein herkömmlicher House-Beat um die 120 bpm. Das ist eine weitere Herausforderung beim Remixen.

Was hat sich während der letzten Jahre beim Auflegen verändert?
Früher sind die DJs mit Plattenkoffern angereist, heute trete ich mit meinem Laptop als Datenträger auf. Dies erlaubt mir, beim Auflegen auf viel mehr Songs und Remixe zurückzugreifen. Die modernen Abspielgeräte bieten tolle technische Möglichkeiten. Wenn ich Lust verspüre, kann ich ein Stück nach 30 oder 40 Sekunden wieder ausblenden und ein neues hineinmixen. Diese Möglichkeiten faszinieren mich sehr.

Welches sind die Künstlerinnen und Künstler, von denen du dich inspirieren lässt?
Frank Sinatra, Dean Martin, Marilyn Monroe, Doris Day oder Louis Armstrong. Elvis und Buddy Holly sind natürlich auch mit dabei. Die Liste liesse sich beliebig verlängern, da ich mich auf «virtuellen Flohmärkten» ständig weiterbilde.

Was fasziniert dich an den 1950er Jahren?
Damals wurden viele Weichen gestellt. Die 1950er Jahre waren musikalisch enorm vielfältig und vielseitig. Dieser Sound begeisterte mich schon immer. Zudem liebe ich den Stil und die Eleganz dieser Zeit. Audrey Hepburn ist eine Ikone, genau wie Grace Kelly oder Marilyn Monroe.

bild-1

Kommen wir zu deiner Party-Reihe «Breakfast At Tiffany’s». Wie kam es dazu?
Ich habe früh angefangen aufzulegen und konnte mich richtig austoben. Zu Beginn der 2000er Jahre habe ich weltweit aufgelegt. In New York, Berlin, Hamburg, Rio De Janeiro, etc. Es lief eigentlich ganz gut. Dennoch wollte ich mein Studium zu Ende bringen und habe danach viele Jahre als Wirtschaftsprüferin gearbeitet. Doch meine kreative Seite wurde nicht befriedigt. Auf einer Weltreise habe ich mich gefragt: Was will ich wirklich? Nach meiner Rückkehr habe ich meinen Manager Alon Renner getroffen. Der Austausch mit ihm war und ist sehr inspirierend für mich. Wir haben von Anfang an auf diesen Klang der 1950er Jahre gesetzt, der mich seit jeher in den Bann gezogen hatte. Die Idee funktionierte sehr gut und kam beim Publikum auf Anhieb an. Das gab mir den Kick, weiterzumachen, die Komfortzone zu verlassen und voll auf die Karte DJ zu setzen.

Wie läuft eine Breakfast At Tiffany’s-Party ab?
Der ganze Event ist eine Zeitreise in die 1950er Jahre und somit eine Hommage an diese Dekade. Ab 22 Uhr steigt der Abend. Wir geben keinen Dresscode vor. Die eine Hälfte der Besucher erscheint bereits gestylt, die andere Hälfte lässt sich vor Ort verwandeln. Neben der Tanzfläche wird frisiert und herausgeputzt. Die Damen werden während der Veranstaltung von Make-up Artisten geschminkt und die Herren lassen sich bei den Coiffeuren eine Tolle föhnen oder lernen, wie man eine Krawatte richtig bindet. Manchmal gibt es Cupcakes und je nach Ausstellungsort einen Glace-Wagen. Während des Abends legen mehrere DJs auf. Meist sind es Glenn, C.Stone und ich. Auch verschiedene Tänzerinnen sind mit dabei, entweder die Anisch & The PowerDanceGroup oder The Cherry Queens. Vom Alter her ist das Publikum gut durchmischt. Das Spektrum reicht von 24 bis 50 Jahren.

Wann und wo finden die Veranstaltungen statt?
«Breakfast At Tiffany’s» findet zurzeit regelmässig in vier Städten statt: Bern, Luzern, Mels und Zürich. Die Organisation ist sehr aufwändig. Wir bauen deshalb auf exklusive und eingespielte Partnerschaften. Die Aussteller wie Coiffeure, Vintage Modeboutiquen und Make-up Artisten stammen immer aus der Gegend, in der wir gerade spielen. Am 7. Dezember findet die Breakfast At Tiffany’s-Party in Luzern (Schüür) und am 9. Dezember in Bern (Bierhübeli) statt.

Wie veröffentlicht man heute Musik?
Ich veröffentliche Remixe, die man sich gratis herunterladen kann. Daneben habe ich einen eigenen YouTube-Kanal. In Kürze werden wir zudem Weihnachtsremixe basierend auf Originalen wie beispielsweise «Let It Snow» veröffentlichen. Die alten Aufnahmen werden auf ein qualitativ höheres Level gebracht, frischer und klarer gestaltet und mit Beats unterlegt. Natürlich wird das Besinnliche dabei nicht verloren gehen.

Was ist deine Motivation?
Es macht mir grossen Spass, die musikalische Klangvielfalt der 1950er Jahre dem Publikum näher zu bringen. Und es kommt viel zurück: Die einsetzende Gänsehaut, wenn neue Ideen gut ankommen, macht richtiggehend süchtig.

 

Über DJ ZsuZsu

Die 40-jährige Zürcherin Susanna Sonderegger aka DJ ZsuZsu besitzt einen Mastertitel der Hochschule St. Gallen und ist eine der bekanntesten DJanes der Schweiz. Schon als kleines Mädchen wurde sie von ihrer Mutter ZsuZsu genannt. Zwischen 1997 und 2004 war sie im House-Bereich aktiv und legte in grossen Schweizer Clubs sowie auch regelmässig in Deutschland, Amerika und Südamerika auf. Heute vermischt sie die treibende Energie elektronischer Musik mit den Klängen der 1950er Jahre und veröffentlicht eigene Remixe. 2015 lancierte sie ihre eigene Party Serie «Breakfast At Tiffany’s». Weitere Informationen: Webseite und Youtube-Kanal

 

Bilder: DJ ZsuZsu

1 Comment

  1. DJ Alexander

    Als Vintage DJ lege ich ausschliesslich Vinyl auf. Es gibt ausreichend Aufnahmen und Musik aus der Zeit die keinen Remix bedürfen. Bei meinen wenigen Auftritten erhalte ich immer viel Bewunderung, wie gut dass die Tonqualität ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.