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Mrz27

Frühlingssonne für den Oldtimer

Für Besitzer klassischer Fahrzeuge beginnt der Frühling dann, wenn der Oldtimer zur ersten Ausfahrt im neuen Jahr ansetzt. Die Wonnemonate können somit gar nicht früh genug beginnen. Zeit, den Oldtimer für die Saison 2016 fit zu machen.

Vorfreude ist etwas Schönes. Besonders dann, wenn sich der Winter zu Ende neigt und die Oldtimer-Liebhaber auf den richtigen Zeitpunkt warten, um ihren Schatz aus dem Winterschlaf zu wecken. Doch auch wenn die Vorfreude auf die erste Ausfahrt gross ist, sollte der Klassiker dennoch sachte begrüsst werden. So wie der Oldtimer nach der letzten Ausfahrt mit Liebe und Bedacht eingewintert wird, sollte er im Frühling mit eben so viel Aufmerksamkeit wieder für den Frühling fit gemacht werden.

Frühjahrstipps für den Oldie

Bevor der Zündschlüssel gedreht und der Motor auf Touren gebracht wird, sollten Fahrer, Fahrerin und Fahrzeug einander wieder näherkommen. Für den Fahrer heisst das zunächst: «Back to the Roots». All die Annehmlichkeiten moderner Autos wie Assistenzsysteme, ABS und Airbags gibt es beim Oldtimer nicht. Umso wichtiger ist es, dass der Klassiker für die anbrechende Saison zu hundert Prozent in Form ist. Ein prüfender Blick auf das Fahrzeug gehört entsprechend dazu. Wie umfassend die Frühjahrs-Checkliste ist, hängt vom jeweiligen Oldtimer ab. Eine allgemein gültige Checkliste gibt es daher wohl nicht, jedoch ein paar allemal nützliche Hinweise:

shutterstock_253974790_kleinErstens: Die Reifen prüfen. So wie vor dem Winterschlaf der Reifendruck für die lange Standzeit erhöht wird, so gilt es den Druck vor der ersten Fahrt entsprechend wieder abzulassen. Wichtig ist, dass nicht nur der Reifendruck gemessen und richtig eingestellt wird, sondern gleich auch die Reifenqualität auf die Profiltiefe oder allfällige kleine Risse im Gummi geprüft wird. Das Reifenalter sollte nicht vernachlässigt werden, weil der Gummi mit zunehmendem Alter aushärtet und dadurch die Haftung nachlässt. Dazu sind die letzten vier Zahlen der DOT-Nummer zu beachten. Die ersten zwei Ziffern geben die Produktionswoche, die letzten zwei Ziffern das Produktionsjahr an. Reifen, die vor mehr als zehn Jahren produziert wurden, sollten nicht mehr verwendet werden.

Zweitens: Die Batterie aufladen. Beim Einwintern des Oldtimers wird die Batterie abgeklemmt. Im Frühling heisst es darum: Batterie aufladen und wieder anhängen. Noch besser wäre es, die Batterie über den Winter mit einem geeigneten Ladegerät einer Erhaltungsladung zu unterziehen.

Drittens: Die Flüssigkeiten prüfen. Ölstand, Kühlwasser, Bremsflüssigkeit und Kraftstoff sollten überprüft werden. Auch ein Blick unter das Auto gehört dazu. Hat es irgendwo getropft, und wenn ja, um welche und um wie viel Flüssigkeit handelt es sich?

Viertens: Einen Blick auf die Dichtungen werfen. Angesagt ist auch ein Blick unter die Haube. Wie steht es um die Gummidichtungen und Schlauchverbindungen? Diese können mit der Zeit porös werden und sollten in diesem Fall entsprechend ausgetauscht werden.

Fünftens: Den Oldie von Schmutz befreien. Bei längeren Standzeiten im Winter ist nicht auszuschliessen, dass sich das eine oder andere Staubkorn auf oder im Klassiker verirrt hat. Ein Wisch (mit passenden sanften Tüchern und Pflegemitteln) über Spiegel, Scheiben, Innenraum und aussen herum schadet auf jeden Fall nicht. Der Oldie soll sich schliesslich in seinem besten Licht zeigen, wenn er sich aus der Garage bewegt.

shutterstock_181027595_-DurchScenery-Shutterstock_kleinSechstens: Den Motor starten. Hat der Motor vor der Winterpause einwandfrei funktioniert, sollte er nach ein bis drei Zündversuchen ohne grössere Schwierigkeiten starten. Springt der Motor an, dann sollte der Motor warm gelaufen werden. Die alten Motoren brauchen etwas Zeit, bis das Öl in allen Ecken angekommen ist. Springt der Motor nicht auf Anhieb an, heisst es Ruhe bewahren. Nicht wenige Oldtimer brauchen nach längeren Standzeiten etwas Geduld, bis sie anspringen. Warte also ein paar Sekunden und versuche es erneut. Springt der Motor nach dem dritten Versuch immer noch nicht an, sollte zunächst von weiteren Versuchen abgesehen werden, um potentielle Schäden zu vermeiden. Es gibt verschiedene Ursachen, warum der Motor nicht anspringt. Wer nicht ein versierter Oldtimer-Techniker ist, nimmt im Zweifelsfall zur Fehlersuche besser Kontakt mit einer geeigneten Werkstatt auf.

Siebtens: Raus an die frische Luft. Läuft und schnurrt der Motor, dann steht nichts mehr im Weg, den Oldie nach Monaten in der dunklen Garage endlich wieder ins Freie zu bewegen. Öffne die Fenster und gönne dem Oldie, besonders auch dem Innenraum, eine Portion Frischluft und Sonnenlicht.

Achtens: Die Bremsen testen. Bevor der Oldtimer richtig aufdreht und der Motor gekitzelt wird, gilt es auf den ersten Metern die Bremsen zu testen. Zudem ist wichtig, sich zunächst wieder mit dem Fahrverhalten des Oldies vertraut zu machen. Fahrer und Fahrzeug müssen sich wieder aneinander gewöhnen.

Und los geht’s!

Endlich ist es soweit: Aus Vorfreude wird echte Freude. Der Oldtimer und seine Besitzerin sind wieder eins und gemeinsam auf der Strasse. Das Beste daran: die ganze Saison liegt noch vor uns. Also los geht’s!

 

Text: Silvan Lipp // Aus: Vintage Times Ausgabe 4/2016
Bilder: Shutterstock

1 Comment

  1. Classic Motoring Tours Team

    Vielen Dank für die ausführlichen Tipps. Wir von Classic Motoring Tours können es kaum erwarten in die Saison zu starten. Beste Grüsse

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