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Okt11

Mit der Kultserie «Masters of Sex» zurück in die Fifties: Die dritte Staffel läuft auf ZDFneo

Text Barbara Mayer

Die Kultserie «Masters of Sex» beginnt in einer Zeit, als die Frauen zum Rendez-vous noch adrette Cocktailkleider trugen und die Männer – auch bei Regen – im offenen MG fuhren. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden Forscher William «Bill» Masters und Virgina Johnsen. Sie gehörten zu den ersten, die sich in den 1950er Jahren mit dem menschlichen Sexualleben auseinander setzten. In einer Zeit also, die sich vor dem Tabu «Sexualität» fürchtete, wie der Teufel das Weihwasser. Nicht ganz alle, allerdings, wie wir in der laufenden Serie miterleben sollten.

Die Grundlage des Skripts zu «Masters of Sex» ist das entsprechende Buch von Thomas Maier, das auf endlosen Interviews mit Virginia Johnsen basiert. Dennoch beinhaltet das Serienskript – natürlich – viele künstlerische Freiheiten. Die amüsante Serie gibt den ausgezeichneten Schauspielern in langen Schnitten die Möglichkeit, ihr wahres Können zu zeigen. Und voller Bewunderung schauen wir auf die schönen Kostüme, gelockten Frisuren und perfekten Make-ups. Die Männer tragen ihre leicht zu grossen Anzüge mit Nonchalance und Bill Masters natürlich immer seinen Schlips. Die Spitalkulissen lassen manchen Insider schmunzeln, aber die grossen Autos und die liebevoll und  als Zeitzeugen mit vielen Details ausgestatten Interieurs der Häuser, Hotels und anderer Szenerien begeistern. Das Setdesign nimmt einen mit in die schönen, vergangenen Zeiten.

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Die Geschlechterrollen sind vor allem zu Beginn der ersten Staffel, die in der Mitte der 1950er Jahre beginnt, noch klar vorgegeben. Mit zunehmendem Fortgang der Serie erleben wir aber, wie sich die Rollenbilder entsprechend dem Zeitgeist wandeln und sich die verschiedenen Charaktere weiterentwickeln, ausbrechen oder ihren ureigenen Weg finden. Wir bewundern die selbstbewusste Virgina Johnson, die sich mit viel Charme und wachsendem Selbstbewusstsein über die klassischen Rollenbilder der damaligen Zeit hinwegsetzt, sich Konflikten stellt, strauchelt, mit Würde wieder aufersteht und ihren Platz als Forscherin an Masters Seite erarbeitet. Wie erleben den erfolgreichen Star-Gynäkologen Dr. William «Bill» Masters, einer der ersten Sterilitätsexperten des 20. Jahrhunderts, der vielen Frauen half, ein Kind zu bekommen. Ein Mann seiner Zeit, leicht frauenfeindlich und doch verletzlich durch seine prägenden Jugenderlebnisse mit seinem Vater. Seine Hauptleidenschaft aber gilt der Erforschung der Lust – dies nicht ganz so nüchtern, wie er sich selber eingesteht. Und die dritte im Bunde der Hauptdarsteller – auch im Beziehungssinne – ist Libby Masters, die als liebende, aber betrogene Ehefrau unsere volle Sympathie hat. Wir leiden mit ihr bei den Sterilitätsbehandlungen und der ersten Schwangerschaft, die mit einer Todgeburt endet. Wir fiebern mit bei ihren ersten zaghaften und dann prägnanteren Befreiungsversuchen. Nicht zu vergessen sind die vielen facettenreichen Nebendarstellerinnen und -darsteller der Serie wie beispielsweise Margaret Scully, die im Laufe der Zeit erfährt, dass ihr Mann homosexuell ist – ein wirkliches No-Go dieser Zeit -, Dr. Austin Langham, der Playboy vom Dienst, oder der unglücklich verliebte Sunnyboy Dr. Ethan Haas.

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Die Serie entführt uns in eine andere Zeit, aber aktuelle Zeitgeschehnisse lassen uns die Szenen einordnen. Vor allem aber erleben wir den Alltag der verschiedenen Protagonisten mit ihren Wünschen, Illusionen, Sorgen und Ängsten. Es geht um Beziehung, Macht, Leidenschaft, gesellschaftliche Zwänge und um Sexualität. Wir wissen heute einiges mehr über die Sexualität als die meisten Menschen Mitte des letzten Jahrhunderts, aber hat sich dabei so viel geändert? Mit dem Fallen der Kleider steigt die Verletzlichkeit der Charaktere. Wir leben heute in einer Zeit, in der offen über alle möglichen Facetten der Sexualität geschrieben und gesprochen wird. Manchen schon zu viel, aber damals wie auch heute ist Sexualität ein gegenseitiges Einlassen auf das Gegenüber. Und dies birgt unberechenbare Risiken.

Wir freuen uns schon auf ein paar verregnete Wochenenden im Herbst oder lange Abende im Winter,  an denen wir – dank moderner Technik – die Serie schauen können. Vielleicht sogar zu zweit? Die 3. Staffel ist seit Frühling 2016 im deutschsprachigen Raum erhältlich und wird derzeit auf ZDFneo ausgestrahlt. Aber startet mit der ersten Staffel und schwelgt in den 50ies und 60ies.

Bilder: ZDF, Michael Desmond

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