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Nov04

«Prettie Lanes»: So feminin kann Mode sein

Mit 16 Jahren formte sie ihre Haare zu Betty Bangs und kleidete sich mit Jeans und Shirts im klassischen und oft selbst genähten Rockabilly-Look. Heute, 10 Jahre später, designt und schneidert Franziska Schlupski unter ihrem Label «Franziska Schlupski PRETTIE LANES» äusserst feminine und elegante Kleidung für die stilbewusste und Fifties-verliebte Frau. Alles von A bis Z handgemacht.

Text Eliane Pfister Lipp

Sie sticht aus der grauschwarzen Menge Normalgekleideter, die im Zürcher Hauptbahnhof herumschwirren, heraus: Gross, elegant, stilvoll und ladylike, mit einem luftigen, taillenbetonten Wickelkleid, passenden Accessoires und perfektem Styling von Kopf bis Fuss. Das alles nicht einfach nur im Stil der Fünfzigerjahre, sondern sehr authentisch. Als sei sie direkt einem dieser alten, charmanten Hollywood-Filmen entsprungen, kommt Franziska mit einem strahlenden Lächeln auf mich zu. Sie freut sich über mein Kompliment für ihren Look, und fügt hinzu, dass sie es eben liebe, komplette Outfits zusammen zu stellen. Das macht einen guten Kleiderstil auch aus: Alles passt auf eine subtile, aber nicht plakative Weise zusammen und unterstreicht die Persönlichkeit der Trägerin. Das war schon ein wichtiges Mode-Credo in den 1940er und 50er Jahren: Accessoires wie Schuhe, Gürtel, Taschen und Handschuhe sind bezüglich Farbe, Form und Material passend aufeinander abgestimmt.

Das Design der 1950er Jahre fasziniert Franziska Schlupski seit ihrer Teenagerzeit. Da sie die ersehnten Kleider in keinen Geschäften fand oder falls doch, sich nicht leisten konnte, machte sie aus der Not eine Tugend: selber nähen. Ihre erste Nähmaschine war ein Geschenk ihrer Oma zum zwölften Geburtstag. Spätestens seit diesem Tag war es um sie und die Stoffe, die den Weg in ihre Hände fanden, geschehen.

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Die erste Nähmaschine und die Liebe zur handwerklichen Tätigkeit waren der Grundstein für ihren Traum, den sie sich vor eineinhalb Jahren erfüllt hat: das eigene Modelabel. Unter dem Namen «Franziska Schlupski PRETTIE LANES», kurz «Prettie Lanes», designt und schneidert Franziska Kleidungsstücke, wie man sie vor rund 60 Jahren trug. Authentizität ist ihr sehr wichtig. So verwendet sie beispielsweise fast ausschliesslich Stoffe ohne Elasthan, weil diese damals nicht üblich waren: «Die Kleider sollen nicht nur so aussehen wie damals, sondern sich auch so anfühlen.» Ein wichtiger Unterscheidungsfaktor zu anderen Retro-Labels. Der Fashionmarkt sei hart umkämpft: «Selbst «Retro» ist keine Nische mehr. Da muss es mir gelingen, mich abzuheben.» Das versucht Franziska vor allem mit ihren Designs. Inspiration holt sie sich aus alten Magazinen, Filmen und aus dem Internet: Instagram, Pinterest und was es sonst noch an sozialen Medien gibt, sind auch im Vintage-Bereich nicht weg zu denken. Das Resultat sind sehr feminine Schnitte und Stoffe, die trotz Romantik von unaufgeregter Geradlinigkeit zeugen. Was dabei besonders beeindruckt, sind die vielen handgearbeiteten Details: von Hand genähte Säume, selbst bezogene Knöpfe oder selbst hergestellte Gürtel, die zum jeweiligen Design passen.

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Das Schneidern hat sich Franziska selbst beigebracht. Studiert hat sie etwas «eher Unkreatives», wie sie selber sagt. So arbeitet sie trotz eigenem Modelabel noch heute im Nebenjob in der Buchhaltung eines Unternehmens. Trotzdem schafft sie es, ihre Kundinnen glücklich zu machen. Fast alle, die schon einmal in ihrem Online-Shop einkauften und ein Prettie Lanes-Stück ihr eigen nennen dürfen, bestellten bereits mehr als einmal.

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Designerin Franziska Schlupski

Franziska selbst trägt nicht nur ihre eigenen Kleider. Sie liebt echte Vintage-Stücke, die sie meist aus Zeitknappheit online aus Deutschland oder den USA zu sich nach Hause ordert. Sie weiss dabei ganz genau, wie sie die Originale richtig in Szene setzen kann: «Beispielsweise kann die richtige Unterwäsche entscheidend zu einem authentischen Look beitragen. Form-Unterwäsche oder Corsagen für eine betonte Taille, verschiedenste Unterröcke und zeitgemässe Strümpfe können den Look eines Kleidungsstücks stark beeinflussen.» Aus ihrem Mund klingt alles so einfach und selbstverständlich. Dabei steckt in ihrem Schaffen enorm viel Arbeit und Leidenschaft, die sie weiterhin träumen lässt: «Ich möchte mich nach und nach vergrössern. Es soll nicht bei der Ein-Frau-Firma bleiben, die ich im Moment bin.» Ein Schritt in diese Richtung folgt nächsten Frühling: Franziska darf als eine von acht Designern ihre Kreationen an der «Viva Las Vegas»-Fashion Show 2017 präsentieren. Das ist zwar kein Laufsteg in Mailand oder Paris, aber für Retro-Verliebte ein Fashion-Olymp der modischen Weiblichkeit. Ganz wie Prettie Lanes.

Bilder: 1, 4-5, 6: Prettie Lanes: 2-3: The Elderwood Photography

1 Comment

  1. Franzi

    Vielen Dank für einen so zauberhaften Artikel! <3

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