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Apr15

Vintage – dieses traumhafte Lebensgefühl!

Text Eliane Pfister Lipp

Ich halte meine Augen geschlossen und geniesse. Es rumpelt und ruckelt. Die warme Frühlingssonne scheint durchs grosse, offene Fenster auf meine leicht geröteten Wangen. Der Duft von Benzin und Teer steigt leicht in meine Nase. Mein Körper hüpft auf der schwarzen Lederbank auf und ab. Wir rauschen auf der Autobahn Richtung Westen und ich lausche den regelmässigen Motorengeräuschen. Ein wahrlich beeindruckendes Stück Technik, ein Benzinmotor. Präzise, explosiv, kraftvoll. Und fast gänzlich mechanisch, damals noch. Unser Fahrgestell ist ein Amerikaner Baujahr 1965, himmelblau, mit schwarzem Vinyldach, sportlich-schnittig. Gemacht für lange Strecken, aber eher ungeeignet für den städtischen Stossverkehr bei praller Sonne. Da kann er schon mal toben und rauchen, wenn er nicht mehr will. Spätestens dann zieht er alle Blicke auf sich. Jetzt will er aber. Und ich bin frei. Kein Gurt zwängt mich in den Sitz und gibt mir vor, wie ich zu sitzen habe.

Stilbild für meine Kleiderwahl heute Morgen muss unbewusst die bezaubernde Audrey Hepburn gewesen sein. Ich trage eine dunkelblaue, taillenhohe Zigarettenhose, eine weiss-blau karierte Bluse, Ballerinas mit schwarzer Schleife, ein feines, halsschmückendes Seidentuch und eine grosse Sonnenbrille. Das Haar ist locker nach hinten gesteckt, die Lippen rot gefärbt.

Während die Landschaft brausend und klangvoll an mir vorüberzieht, fahren in meiner Vorstellung andere pastellfarbene Autos aus den Fünfziger und Sechziger Jahren an unserem Schätzchen vorbei. Mal ein sportlicher Schlitten, mal eine elegante Kutsche. In der Sonne glitzern die Stossstangen aus Chrom um die Wette, die Motoren jaulen, und aus den Lautsprechern klingt «Pay back» von Etta James. Die Menschen, die ebenso wie ich unterwegs sind, sind gut gekleidet und lachen. Vielleicht sind sie auf dem Weg an ein Picknick? Oder auf dem Weg zur Arbeit? Auf Besuch zu Familie oder Freunden? Zum Autokino? Oder einfach so «on the road»?

Warum träume ich davon? Weil mich im Innern etwas berührt und sehnsüchtig werden lässt, wenn ich eben Chrom, Zigarettenhosen und grosse Sonnenbrillen sehe oder den Klängen von Etta James, den Beatles oder Chuck Berry lausche. Das ist alles. Und doch so viel.

Zum Glück kann ich einfach die Augen öffnen und den Traum beenden. So schön er auch ist, so wenig soll er Realität werden. Es ist wunderbar, wenn ich meinen Vintage-Traum im Alltag immer wieder leben kann. Er ist dann nämlich wirklich ein Traum, im wahrsten Sinn des Wortes.

Und jetzt ihr: Wovon träumt ihr?

 

Bild: Maxpixel

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