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Jul12

Zoe Scarlett im Interview – Das Fifties-Meitli im Petticoat verführt die Welt

Zoe Scarlett bewegt sich gekonnt auf vielerlei Parkett. Sie ist das bekannteste Schweizer Pin-up-Model und erfolgreiche Burlesque-Tänzerin, Showgirl, Werbeträgerin und Moderatorin. 2010 schnappte sie Dita von Teese den Werbevertrag mit der Strumpfmarke Ars Vivendi weg. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist sie ein gefragtes Gesicht und verführt ihr Publikum auf der ganzen Welt. Als Pin-up-Model schmückt sie Magazine, Kalender und Werbeanzeigen und als Burlesque-Tänzerin fasziniert sie auf der Bühne ihr Publikum mit einem Striptease, bei denen sie aufwändige Kostüme einsetzt. In einer ihrer Shows legt sie 64 Kleidungsstücke ab. Die Kunst des Verführens gibt sie in Burlesque-Workshops in Zürich, Basel, St. Gallen und Luzern weiter.

Ich treffe Zoe Scarlett an einem Donnerstagmittag in einem italienischen Restaurant in Zürich Altstetten. Sie habe sich schon den ganzen Vormittag auf dieses Treffen und auf die Pizza gefreut, meint sie lachend.

 

Wenn du dir etwas ganz fest wünschst und daran glaubst, dass es in Erfüllung geht, dann passiert es auch.“ Das hast du mal auf Facebook gepostet.  Ist dein Lebenstraum in Erfüllung gegangen?

Absolut. Ich bin eine Träumerin. Ich habe immer Ideen und Träume. Wenn man sich wirklich etwas wünscht, dann geht es auch in Erfüllung. Das klingt vielleicht etwas märchenhaft, aber mit meiner Karriere ist ganz klar ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich kann nun bald seit 10 Jahren von dem leben, was ich gerne mache. Obwohl ich eigentlich nicht damit gerechnet habe.

War es schon immer dein Ziel, das zu tun, was du jetzt tust?

Nein. Ganz viele verschiedene Umstände haben dazu geführt. Meine Eltern haben mich in einer 50er-Jahre-Welt erzogen. Wir haben schon immer so gewohnt und sind solche Autos gefahren. Als kleines Mädchen bin ich an den Wochenenden im Petticoat an den Ami-Treffen rumgerannt. Für mich war das alles ganz normal, bis ich in die Schule kam. Da ist mir bewusst geworden, dass es nicht normal ist. Ich lebe das aber bis heute so weiter, denn für mich gibt es nichts Schöneres. Angefangen hat meine Karriere dann eigentlich, als ich als Automechanikerin bei einem Rennteam war.

Du bist gelernte Automechanikerin?

Nein, keine Gelernte. Es war aber immer mein Hobby, mit ölverschmierten Händen an alten Autos rumzuschrauben. Irgendwann, als ich dann als einzige Frau bei diesem Rennteam war, fragte mich ein Fotograf, ob er mich nicht mal zurecht machen und fotografieren dürfte. Diese Bilder mit dem Fifties-Meitli gingen dann um die Welt.

Hattest du damit ein Klischee erfüllt?

Ja, ein bisschen schon. Diese Bilder haben dann eins ums andere ausgelöst. Dadurch konnte ich meine Leidenschaft zum Beruf machen.

Wenn man dich im Fernsehen sieht, hat man immer das Gefühl, dass du vor Lebensfreude sprühst. Was liebst du am Leben?

Alles!

Wirklich alles?

Alles. Ich liebe das Leben, und bin dankbar für alles, was ist, und was kommt. Ich bin ein sehr positiver Mensch. Andere würden vielleicht sagen, ich sei aufgedreht. Aber Trübsal blasen ist nicht meins. Natürlich macht man auch negative Erfahrungen, aber ich versuche dann immer, das Positive daraus zu ziehen…

… du stehst immer wieder auf?

Ja, das ist meine Lebenseinstellung.

Woher nimmst du deine Inspiration für deine Auftritte?

Das sind meistens irgendwelche Geistesblitze und spontane Ideen, zum Beispiel während eines Spaziergangs mit meinem Hund. Und es gibt kein Pin-up-Buch der letzten 15 Jahre, das ich nicht besitze. Für Inspirationen reicht es mir schon, wenn ich Bilder anschauen kann.

Ist Marilyn Monroe eine deiner Stilikonen?

Hm. Marilyn Monroe ist einfach eine wahnsinnige Faszination. Ich bin aber ein grosser Elvis-Fan. Klar, Marilyn Monroe, Elvis Presley, James Dean, die sind cool, aber das sind auch einfach Klischees. Es sind Personen, die bis heute einfach jeder und jede kennt. Marilyn…, nein, sie ist nicht mein Vorbild, aber ihr Leben und ihre Karriere sind faszinierend. Ich habe einen grossen Respekt vor ihr und auch Mitgefühl, weil ihr Leben so tragisch war. Es war aber nie meine Absicht, wie sie zu sein, obwohl mich die Medien oft mit „Marilyn der Schweiz“ bezeichnet haben. Eine Persönlichkeit, von der ich sagen muss, wow, die ist cool, das ist Marlene Dietrich.

Was macht für dich das Frau-Sein aus?

Mit dir Pizza zu essen und nicht zu überlegen, ob diese jetzt auf den Hüften oder auf dem Po landet! Frau-Sein heisst für mich, mit all diesen kleinen Dingen wie Nagellack, Lippenstift, und Lidschatten zu spielen und sich auszutoben. Frau-Sein heisst für mich, von einem Mann verwöhnt zu werden, sich in seinem Körper attraktiv zu fühlen und vor allem mit sich selbst im Reinen zu sein und zu sagen, hey, ich gefalle mir auch mit einem runden Po.

Du verführst gerne, oder?

Ich verführe gerne. Früher haben mir die Lehrer in der Schule gesagt, ich hätte so einen gewissen Augenaufschlag. Anscheinend ist die Art und Weise, wie ich auf Menschen zugehe oder auf Männer wirke, verführerisch. Ich habe mir aber erst darüber Gedanken gemacht, als ich mit Burlesque angefangen habe. Dann habe ich natürlich begonnen, mit der Verführung zu spielen.

Welches Publikum hast du an deinen Auftritten?

Das ist je nach Ort und Auftritt sehr unterschiedlich. Das Publikum an einer Tattoo Convention in Spanien ist natürlich ganz ein anderes als dasjenige in einer Boutique von Les Ambassadeur in Genf. In der Schweiz besteht mein Publikum zu 70-80% aus Frauen. Meine Kunden glauben mir das meistens nicht, aber es sind tatsächlich die Frauen, die das alles toll und faszinierend finden, und die sich auch damit identifizieren können.

Welche Rückmeldungen bekommst du von Frauen?

Gute. Ich hatte noch nie Schwierigkeiten in dieser Hinsicht, da bin ich wohl vom Erfolg verwöhnt. Es gibt zwar viele Frauen, die bekommen vor Aufregung kein Wort raus, wenn sie mal die Gelegenheit haben, mit mir zu plaudern. Wenn sie dann aber merken, dass ich zum Anfassen bin, beruhigen sie sich schnell.

Und wie reagieren die 20-30% Männer auf dich?

Die warten einfach darauf, dass ich den BH ausziehe.

Ist das so?

Ja, das ist schon ein bisschen so. Meine Shows kommen sehr gut an. Es hat mir noch nie jemand gesagt, ich sei auf der Bühne eine Vollpfosten.

Welchen Stil magst du an Männern?

Hm.

…abgesehen von Elvis Presleys?

Ich wünschte mir, Elvis hätte einen Sohn gehabt. Dann hätte ich mir diesen geschnappt. Vielleicht hat er ja irgendwo auf der Welt einen?

Aber zurück: Was macht einen Mann aus deiner Sicht attraktiv?

Ehrlichkeit und Charme. Aber er soll kein Schleimer und kein Arschkriecher sein. Keiner, der dir die ganze Zeit Honig ums Maul schmiert.

Der Charme von James Bond?

Ich mag die Mischung aus Bösewicht, Charmeur und Lausbub. Rein optisch ist mir das Wichtigste, dass ein Mann schöne Zähne hat! Eine Zahnlücke geht gar nicht.

Wie sieht ein gewöhnlicher Tag bei dir aus?

Das ist ganz schwierig. Bei mir ist kein Tag gleich, ausser morgens. Da mache ich mein Make-up, gehe mit meinem Hund spazieren und esse Frühstück. Aber sonst gibt es keine Routine. Einmal bin ich an Dreharbeiten, an Meetings für neues Shows, bei Designern, ein anderes Mal bei Interviews, beim Radio, oder ich bin auf Tournee. Es ist nie gleich…

… aber es ist immer etwas los?

Garantiert ist, dass ich mehr arbeite als ein normaler Arbeiter. Das unterschätzen viele. Ich bin ein absoluter Workaholic. So schön es auch ist, was ich mache, es ist wahnsinnig viel Arbeit. Aber ich hatte sicher auch Glück, ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Jetzt haben wir viel vom Erfolg gesprochen. Gibt es auch Leute, die dich belächeln?

Ja, die gibt’s. Ich bin auch schon oft bei Menschen angerannt, die mir nicht mal eine Chance gegeben haben. Aber das spornt mich dann jeweils an, und dann zeige ich es ihnen. Negativkritiken sind für mich Holz im Feuer. Das ist Ego.

Also du letztes Jahr 30 Jahre alt wurdest, hast du auf Facebook gepostet: „Jetzt geht’s erst richtig los!“. Was geht jetzt richtig los?

30 Jahre alt zu werden, war für mich irgendwie ein breaking point. Jetzt sind die Larifari-Zeiten vorbei, jetzt habe ich ein gewisses Alter und weiss, was ich will. Jetzt geht’s nochmals los.

Was dürfen wir von Zoe Scarlett in Zukunft erwarten?

Einiges! Gerade in diesem Jahr werden viele Dinge passieren. Dinge, bei denen vielen die Spuke im Rachen stecken bleiben wird.

Ah ja?

Ja, ich glaube schon, denn es werden Dinge sein, die viele von mir nicht erwarten. Mehr kann ich im Moment leider nicht verraten.

Was ist das schönste Kompliment, das du jemals bekommen hast?

Dass ich das Herz am rechten Fleck habe, und dass mir das Showbusiness nicht schlecht bekommen sei. Das Showbusiness ist gerade in den Kreisen, in denen ich mich bewege, sehr oberflächlich und sehr materialistisch. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, zu den Leuten ehrlich und auch direkt zu sein. Obwohl ich damit auch immer wieder mal an eine Wand laufe, kann ich mir so selber in den Spiegel schauen. Aber wenn mir jemand sagt, wow, du bist bodenständig, und du hast das Herz am richtigen Fleck, dann bin ich happy. Sobald du nämlich den Höhenwahn bekommst, bist du verloren.

Ist das Showbusiness also nicht zu empfehlen?

Doch, ich liebe es. There‘s no business like showbusiness. Aber ich musste auch hineinwachsen, am Anfang war ich überfordert. Heute ist es für mich normal. Aber wie in jedem Business gibt es viel Missgunst und alle diese negativen Dinge, die in meinem Leben keinen Platz haben.

Hast du viele Neider?

Das weiss ich nicht, und das interessiert mich eigentlich auch nicht. Du merkst sofort, ob Frauen eine gewisse Coolness an den Tag legen und normal mit dir umgehen, oder ob sie dich von oben bis unten mustern. Aber das ist okay. Ich gebe zu, ich mache das ja auch ab und zu.

Andere von oben bis unten zu mustern?

Ja, wenn eine total schräg angezogen um die Ecke kommt, dann frage ich mich auch schon mal, was geht denn mit der ab? Aber spätestens beim zweiten Blick sage ich dann, hey, weisst du was, sie lebt sich einfach aus, und das ist geil. Man soll sich einfach wohl fühlen.

 

Dass sich Zoe Scarlett wohl fühlt und ihr Leben liebt, das spürt man deutlich. Sie freut sich, dass sie mit dem Ausleben ihrer Leidenschaft anderen eine Freude machen und damit ihr Geld verdienen kann. Sie lebt sich aus und fällt damit auf. Ob das anderen passt oder nicht, kümmert sie wenig.

Erst als wir uns verabschiedet hatten, sehe ich, dass sie in einem weissen Dodge Challenger unter Motorengeheul davon rauscht. Was sie heute noch vorhat, weiss ich nicht.

Text & Interview: Eliane Pfister Lipp

 

Zoe Scarlett liebt…

Filme: American Graffiti, The Notebook

Musiker: Patsy Cline, Dean Martin, Peter Alexander, Pink, Phil Collins

Künstler: Marco Nietlisbach

Auto: 1955er Chevrolet Bel Air

Stadt: Basel

Aus Vintage Times 1/2015

Zoe Scarlett
Bild von Marco Nietlisbach

 

Zoe Scarlett
Bild von Marco Nietlisbach

 

Zoe Scarlett
Bild von Marco Nietlisbach

 

 

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